Multiple Sklerose: 1.000 Gesichter, eine Diagnose
Welt-MS-Tag am 30. Mai: Moderne Therapieangebote im Wiener Gesundheitsverbund
Multiple Sklerose (MS) zählt zu den häufigsten chronisch-entzündlichen neurologischen Erkrankungen bei jungen Erwachsenen, 13.500 Menschen sind in Österreich aktuell davon betroffen. Dank moderner Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten kann der Krankheitsverlauf heute deutlich besser beeinflusst und die Lebensqualität vieler Patient*innen langfristig erhalten werden.
In den neurologischen Ambulanzen des Wiener Gesundheitsverbundes werden MS-Patient*innen nach aktuellen wissenschaftlichen Standards umfassend betreut. Zusätzlich bieten spezialisierte Ambulanzen individuelle Therapiekonzepte, interdisziplinäre Begleitung sowie moderne Verlaufsdiagnostik – insbesondere für Patient*innen mit komplexen oder hochaktiven Krankheitsverläufen. 2025 wurden insgesamt 3.068 Patient*innen mit MS in den Kliniken des Wiener Gesundheitsverbundes behandelt.
Krankheit mit 1.000 Gesichtern
Multiple Sklerose ist eine chronische Erkrankung des Nervensystems, bei der das Immunsystem irrtümlich körpereigene Strukturen in Gehirn und Rückenmark angreift. Meist wird die Erkrankung zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr diagnostiziert, Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Die Symptome können sehr unterschiedlich ausfallen – von Sehstörungen über Gleichgewichtsprobleme bis hin zu Lähmungserscheinungen und starker Müdigkeit. Aufgrund der Vielfalt und Unvorhersehbarkeit der Beschwerden wird MS auch als „Krankheit der 1.000 Gesichter“ bezeichnet. Da MS häufig in einer noch jüngeren und aktiven Lebensphase auftritt, stellt die Diagnose für Betroffene und Angehörige oft eine große persönliche und berufliche Herausforderung dar.
Frühe Diagnose verbessert Behandlungsmöglichkeiten
Die Diagnose erfolgt anhand neurologischer Untersuchungen, Magnetresonanztomografie (MRT) sowie weiterer spezieller Untersuchungen wie einer Analyse des Nervenwassers. Durch Fortschritte in der Diagnostik kann MS heute deutlich früher erkannt werden als noch vor einigen Jahren.
„Eine frühe Diagnose und ein rascher Therapiebeginn sind entscheidend, um die Symptome gering zu halten und bleibende Einschränkungen möglichst zu verhindern. Die Behandlung von MS-Erkrankungen sollte immer in zertifizierten MS-Zentren erfolgen. In unserer Spezialambulanz entwickeln wir für alle Patient*innen ein individuell abgestimmtes Therapiekonzept – orientiert an Krankheitsverlauf, Lebenssituation und persönlichen Bedürfnissen,“ erklärt Peter Thun, Oberarzt und Leiter der Multiple-Sklerose Ambulanz in der Klinik Ottakring.
Moderne Therapien bremsen Krankheitsverlauf
Eine Heilung von MS ist derzeit zwar nicht möglich, die Behandlungsmöglichkeiten haben sich in den vergangenen Jahrzehnten jedoch stark verbessert. Ziel moderner Therapien ist es, Entzündungsschübe zu verhindern, das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen und Beschwerden im Alltag zu lindern.
Akute Schübe werden meist kurzfristig mit Kortison behandelt. Langfristig kommen sogenannte verlaufsmodifizierende Therapien zum Einsatz, die gezielt in das Immunsystem eingreifen. Dabei wird abhängig von Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit entschieden, welche Therapieform am besten für die jeweiligen Patient*innen geeignet ist. So kann der weitere Krankheitsverlauf oft über viele Jahre aufgehalten werden.
„Unser Ziel ist es, die Krankheitsaktivität möglichst früh unter Kontrolle zu bringen und bleibende neurologische Schäden zu verhindern oder so gering wie möglich zu halten. Deshalb setzen wir heute oft bereits zu Beginn auf eine intensive und teilweise auch ‚aggressive‘ Therapie. Moderne Medikamente können Entzündungsschübe deutlich reduzieren und das Fortschreiten der Erkrankung bremsen. Gleichzeitig achten wir sehr genau darauf, Nutzen und mögliche Auswirkungen auf das Immunsystem individuell abzuwägen“, betont Thun.
Neben medikamentösen Therapien spielen auch Physio-, Ergo- und Logopädie sowie psychologische Unterstützung eine wichtige Rolle in der Betreuung von MS-Patient*innen.
Neurologische und MS-Spezialambulanzen im Wiener Gesundheitsverbund



