Weltnierentag: Wiener Gesundheitsverbund betreute 2025 über 30.000 Patient*innen mit Nieren-Erkrankungen
Nieren-Erkrankungen: Bis 2040 könnte jede fünfte Person betroffen sein. Der Wiener Gesundheitsverbund behandelte 2025 insgesamt 30.750 Patient*innen mit Nieren-Erkrankungen. Zum Weltnierentag am 12. März 2026 setzt der WIGEV auf Spezialisierung und Information.
Chronische Nierenerkrankungen entwickeln sich rasant. Aktuell leidet bereits etwa jede zehnte Person in Österreich an einer Nierenerkrankung – bis 2040 könnte es jede*r fünfte sein. Damit werden Nierenerkrankungen häufiger als viele Krebsarten und könnten weltweit zu den fünf häufigsten Todesursachen zählen. Der Wiener Gesundheitsverbund übernimmt eine zentrale Rolle in der Betreuung von Nierenkranken Menschen.
Im Jahr 2025 wurden im Wiener Gesundheitsverbund insgesamt 30.750 Patient*innen mit einer Nieren-Erkrankung, einschließlich Nieren-Krebs, versorgt. Davon wurden 15.500 Personen stationär behandelt. Zu den drei häufigsten Diagnosen zählten akutes Nieren-Versagen, Nieren- und Ureter-Steine sowie chronische Nieren-Insuffizienz.
Die Niere leidet leise
„Die Niere ist das vergessene Organ. Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie krank sind, weil lange keinerlei Beschwerden auftreten“, betont Sabine Schmaldienst, Leitung der 1. Medizinischen Abteilung der Klinik Favoriten. „Oft wird eine eingeschränkte Nierenfunktion nur zufällig entdeckt – oder viel zu spät, wenn Dialyse und Transplantation die letzten Optionen sind. Einfache Urin- und Bluttests in der Hausarztpraxis könnten frühzeitig Alarm schlagen, werden aber bislang im niedergelassenen Bereich noch nicht konsequent genutzt.“ In jedem Fall sind aber bei Menschen mit einem Risiko für eine Nierenerkrankung jährliche Blut- und Harnkontrollen bei Hausärzt*innen eine einfache, aber zentrale Maßnahme für die Nieren-Gesundheit.
So ermöglichen neue Biomarker eine frühere Risiko-Abschätzung, moderne Medikamente können das Fortschreiten der Erkrankung bremsen, und spezialisierte Bereiche wie die Onko-Nephrologie entstehen an der Schnittstelle zwischen Krebs- und Nierenmedizin. „Die Nephrologie erlebt aktuell einen wissenschaftlichen und klinischen Aufschwung, das ist gut für unsere Patient*innen“, so Schmaldienst.
Die Niere: Täterin und Opfer
Besonders unter Druck gerät die Niere durch typische Volkskrankheiten unserer Zeit: Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und Bewegungsmangel. Hinzu kommen eine älter werdende Bevölkerung und moderne Therapien etwa in der Onkologie, die zwar Leben retten, aber die Niere zusätzlich belasten können. Die Niere kann dabei Täterin sein, mit einer eigenen Erkrankung oder Opfer, wenn sie durch andere Krankheiten geschädigt wird. Für das Gesundheitssystem bedeutet das: mehr Patient*innen in Dialyse-Zentren, mehr Transplantationsbedarf, steigende Kosten für Langzeit-Therapien – und ein wachsender Bedarf an spezialisierter Expertise.
Prävention als Schlüssel zum Erfolg
Der Schlüssel liegt in der Prävention: regelmäßige Kontrollen bei Menschen mit Bluthochdruck oder Diabetes, Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung, eine salz- und zuckerärmere Ernährung, ausreichend Bewegung und der Verzicht auf Rauchen. Pilotprojekte in einzelnen Bundesländern zeigen bereits, dass strukturierte Vorsorgeprogramme Nierenschäden deutlich früher aufdecken und bessere Therapien ermöglichen.
„Was heute noch als Nischenfach gilt, ist jetzt schon ein zentraler Pfeiler der Medizin“, lautet die Botschaft von Sabine Schmaldienst. „Je früher wir handeln, desto mehr Menschen können wir vor erkrankungsbedingten Folgeschäden oder einem Leben an der Dialyse bewahren.“



