25 Jahre Babynest in der Klinik Ottakring – Ein sicherer Ort für Neugeborene in Not
Seit einem Vierteljahrhundert bietet das Babynest in der Klinik Ottakring Menschen in Notsituationen die Möglichkeit, Neugeborene geschützt und anonym abzugeben. „Ich bin sehr froh, dass es das Babynest gibt. Eltern, die aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage sind, sich um ihr Kind zu kümmern, haben hier die Möglichkeit, ihr Baby sicher, straffrei und völlig anonym abzugeben. Bis heute konnten alle Babys aus dem Babynest gesund in Adoptivfamilien entlassen werden“, erklärt Margarethe Maurer, Bereichsleitung Pflege der Kinder- und Jugendabteilung der Klinik Ottakring. „Zusätzlich gibt es aber auch andere Möglichkeiten für Eltern in Ausnahmesituationen. Zum Beispiel können Mütter bei uns ihr Baby auch anonym zur Welt bringen“, betont Maurer.
Der letzte Ausweg Babynest
Seit Eröffnung wurden 35 Babys im Babynest der Klinik Ottakring abgelegt. 2 Kinder konnten später zu ihren leiblichen Eltern zurückkehren. Die gesetzliche Frist zur Rücknahme gibt den Eltern Zeit, ihre Entscheidung zu überdenken. Das Babynest ist rund um die Uhr geöffnet und wird videoüberwacht – dabei werden ausschließlich die Hände der Person gefilmt, die das Baby hineinlegt. Ein Sensor löst automatisch Alarm aus, sobald die Tür geöffnet wird. Das Kind wird daraufhin sofort medizinisch erstversorgt und, wenn keine Behandlung notwendig ist, so rasch wie möglich in die Obhut einer Pflege- bzw. Adoptivfamilie übergeben.

Eine Geschichte, die Hoffnung schenkt
Ein besonders berührender Fall ist jener der Familie Müller [*], die vor 3 Jahren einen kleinen Buben aus dem Babynest adoptieren durfte. „Wir wünschten uns so sehr ein Kind und hatten mehrere Fehlgeburten hinter uns“, schildert der Vater. „Nach langem Warten auf die Adoption bekamen wir plötzlich einen Anruf vom Jugendamt – ein Baby war im Babynest abgelegt worden, und wir durften es kennenlernen.“
Damals, mitten in der Corona-Zeit, war selbst der Zutritt zur Klinik mit vielen Hürden verbunden. „Mein Test hatte nicht funktioniert, also musste ich noch rasch einen Schnelltest machen, bevor wir in die Klinik fahren und ‚unser Kind‘ kennenlernen durften. Wir hatten nichts vorbereitet – keine Babysachen, kein Kinderzimmer. Das lernt man im Adoptionskurs, um sich selbst zu schützen, weil man nie weiß, wann oder ob es klappt“, erinnert sich Herr Müller.
2 Stunden später hielten sie ihr Kind in den Armen. „Mit Michael [*] war es Liebe auf den ersten Blick. Wir wussten sofort, dass wir ihn nie mehr hergeben wollen würden. Die Pflegekräfte im Krankenhaus waren unglaublich herzlich, und wir durften die erste Nacht gemeinsam mit Michael im Familienzimmer verbringen. Das war der Beginn unseres neuen Lebens.“
Heute ist Michael 3 Jahre alt. Familie Müller besucht jedes Jahr im November die Klinik, um den Ort wiederzusehen, an dem ihr gemeinsames Leben begann. „Heuer haben wir das Babynest erstmals gemeinsam mit unserem Sohn angeschaut“, schildern die Eltern. „Für uns ist es wichtig, dass Michael seine Geschichte kennt. Er weiß, dass das Babynest Teil seines Lebensbeginns ist – genauso wie sein Name. Er wurde nach der Pflegekraft benannt, die damals Dienst hatte, als er ins Babynest gelegt wurde. Sie hieß Michaela – und so wurde er zunächst Michael genannt. Wir haben diesen Namen behalten. Er gehört zu seiner Geschichte.“
Ein sicherer Ort – wenn es keinen anderen Ausweg gibt
Das Babynest bietet in akuten Ausnahmesituationen einen geschützten Ort, an dem Neugeborene sicher und anonym aufgenommen werden können. Es ist ein sicherer Ort, wenn es keinen anderen Ausweg gibt und zugleich auch eine Chance auf ein glückliches Leben.
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[*] Name von der Redaktion geändert



